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Projekte : Schattengalerie der Verlustgemälde ///
Phantom Gallery of the Lost Paintings
: Verlorene "Bilder des Monats" : Zeitungsartikel

 

 


Gortzius Geldorp
Schule vom Berg Athos



Das "Bild des Monats" war eine Serie, die zwischen September 2006 und Juni 2007 in der Aachener Zeitung erschien. Die Artikel schildern außergewöhn- liche Geschichten zu einzelnen Verlustgemäl- den oder geben Ein- blicke in die Probleme, die bei der Forschungs- arbeit auftauchen.

 

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Gortzius Geldorp "Portrait eines Herrn"


Aachener Zeitung   25.05.2007

Teppichhändler erhält zum Dank Gemälde
Wie Aachen 1949 an fünf "verschwundene" Bilder gelangt ist. Zwei andere sind dafür verschollen. Polizei wertet "Deal" als rechtmäßigen Verkauf.

Aachen. Verschwunden, verschollen, verkauft - hunderte von Werken des Aachener Suermondt-Ludwig-Museums sind seit dem Zweiten Weltkrieg unauffindbar, und um manchen einzelnen Fall rankt sich dabei eine ganze Geschichte. Unser "Bild des Monats" Mai im Rahmen der gleichnamigen Serie sind eigentlich zwei, deren "Schicksale" eng zusammenhängen: das "Porträt eines Herren" des Löwener Malers Gortzius Geldorp (1553-1618) aus dem Jahr 1608 sowie "Die lebensspendende Quelle". Dabei handelt es sich um die Darstellung Marias an einem goldenen Brunnen. Das Bild schufen unbekannte griechische Künstler der Schule vom Berg Athos im 18. Jahrhundert.

In den Westsektor

Die Geschichte, anhand von Dokukumenten rekonstruiert vom Museumsmitarbeiter Heinrich Becker, beginnt am 11. März 1949, als den Direktor des Suermondt-Museums, Felix Kuetgens, ein seltsamer Brief aus Dresden erreicht - zu einer Zeit, als sich die ausgelagerten Aachener Kunstbestände immer noch in der Albrechtsburg in Meißen befinden. Ein Teppich- und Kunsthändler Max Hoppe bietet Kuetgens an, fünf Gemälde und das Goldene Buch der Stadt Aachen zu beschaffen und in den Westsektor zu bingen - nicht ohne Gegenleistung, versteht sich. Zwei andere Aachener Gemälde - offenbar gleichfalls aus den Meißener Beständen - oder als Ausgleich 6000 Mark, bedingt sich Hoppe als Lohn für die gute Tat aus. Als Vermittler gibt er einen Franz Consten an, einen gebürtigen Aachener, der zu dieser Zeit in Leipzig lebt. 
Tatsächlich übergibt Hoppe im April 1949 Consten fünf Aachener Bilder, der sie nach Aachen schafft. Zwei andere Werke behält Hoppe für sich - eben jenes Porträt von Geldorp und "Die lebensspendende Quelle". 
Nebenbei: Franz Consten gelang es in der Nachkriegszeit, seiner Heimatstadt Aachen 32 Gemälde und 36 Rethelstudien wiederzubeschaffen. Wie und mit welchen Verbindungen er das geschafft hat, weiß bis heute kein Mensch. Drei andere Werke hat er dafür als Dank beziehungsweise zur "Bezahlung" seiner Dienste erhalten.
Am 8. April 1949 richtet Hoppe wieder ein Schreiben an Kuetgens und behauptet Unerhörtes: Sämtliche der bis dahin noch in Meißen verbliebenen Gemälde und Skulpturen aus Aachen könne er wiederbeschaffen. Bedingung: "Sie sollten nicht kleinlich sein..." Kuetgens antwortet - und lehnt ab. Mit der Begründung, dass "der bevorstehende internationale Kunstaustausch" in Kürze sowieso alles regeln würde. Vielleicht war ihm dieser Hoppe auch nicht ganz geheuer. Der Kunstaustausch kam erst 1962 zustande, ein Großteil der Werke ist immer noch verschollen. 

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Schule vom Berg Athos "Lebensspendende Quelle"

1957/58 versteigert

1954 geht die Geschichte weiter, als ein Joro Hertwig aus Berlin, der offenbar beide Bilder von Hoppe erworben hat, Aachen die Werke zum Verkauf anbietet.  Kuetgens stellt Nachforschungen in Meißen an, kauft aber nicht. Ein Jahr später wird es dramatisch: Ein Albrecht Michaelis, der offenbar "Die lebensspendende Quelle" gekauft hat, versucht in Aachen Informationen über das Werk zu bekommen. Hans Feldbusch, mittlerweile Museumsdirektor in Aachen, sieht die Gelegenheit, wieder an das Bild zu kommen, verabredet sich mit Michaelis in dessen Berliner Hotel - und informiert gleich die Polizei. Doch vergeblich: Einen Tag später teilt die Polizei Feldbusch mit, dass Michaelis rechtmäßiger Eigentümer sei. Begründung: Der "Deal" zwischen Hoppe und Aachen im Jahr 1949, wonach Hoppe zwei Bilder als Gegenleistung seiner Wiederbeschaffung behalten durfte, sei als "Verkauf" zu werten. 1962 teilt Hertwigs Witwe Aachen mit, dass der Geldorp 1957 oder 1958 in Berlin versteigert wurde. Beide Bilder sind seither nicht wieder aufgetaucht. (eho)

 

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