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Projekte : Schattengalerie der Verlustgemälde ///
Phantom Gallery of the Lost Paintings
: Verlorene "Bilder des Monats" : Zeitungsartikel

 

 


Gerard de Lairesse



Das "Bild des Monats" war eine Serie, die zwischen September 2006 und Juni 2007 in der Aachener Zeitung erschien. Die Artikel schildern außergewöhn- liche Geschichten zu einzelnen Verlustgemäl- den oder geben Ein- blicke in die Probleme, die bei der Forschungs- arbeit auftauchen.

 

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Gerard de Lairesse "Martyrium der Hl. Ursula"


Aachener Zeitung   30.03.2007

Auf mysteriöse Weise verschollen
Weitere Folge unserer Serie "Das Bild des Monats": Gemälde von de Lairesse

Aachen. Zahlreiche Kunstwerke sind nach dem Zweiten Weltkrieg aus den deutschen Museen "verschwunden", nachdem russische Truppen die ausgelagerten Werke einfach "mitgehen" ließen - wie unsere Serie "Das Bild des Monats" anhand von Beispielen belegt, auch aus dem Aachener Suermondt-Ludwig-Museum, damals noch Suermondt-Museum. Doch nicht immer waren die Russen schuld, wenn wichtige Gemälde nicht mehr an ihren angestammten Platz zurückkehrten. Etwa bei dem großformatigen Ölgemälde (2,75 x 2,05 Meter) "Martyrium der Heiligen Ursula" von Gerard de Lairesse, unserem "Bild des Monats" März. Die Mitarbeiterinnen des Suermondt-Ludwig-Museums Anna Koopstra und Christine Vogt sowie der wissenschaftliche Volontär Heinrich Becker haben die Spur des Werks verfolgt.
Keine 20 Jahre alt ist der in Lüttich geborene Künstler de Lairesse, als er das "Martyrium der Heiligen Ursula" im Jahr 1660 auf seiner Reise nach Köln bei einem Aufenthalt in Aachen malt. Er erschafft es für die Kirche des damaligen Ursulinenklosters. Das Bild zeigt die zentrale Szene der Ursula-Legende: wie die Hunnen Ursula und ihre Jungfrauen auf der Schiffsreise nach Rom bei Köln überfallen. Das Gemälde kam später in den Aachener Dom, Quellen aus dem 19. Jahrhundert belegen dies. Um 1900 gelangt es ins Suermondt-Museum als Schenkung des Stadtverordneten Ferdinand Kremer. 1932 - das beweist ein Katalog-Handexemplar des Museumsdirektors Felix Kuetgens - ist das Bild noch im Haus vorhanden; der Eintrag "A" besagt dabei, dass es im Kellerdepot aufbewahrt wird.
Später wird das "Martyrium der Heiligen Ursula" in der Literatur als Kriegsverlust bezeichnet. Heinrich Becker ist es zu verdanken, dass der tatsächliche Zeitpunkt des "Verschwindens" jetzt zutage trat: Bei seinen Forschungen im Rahmen des Projekts, die Kriegsverluste des Suermondt-Ludwig-Museums aufzuarbeiten, stieß er im Museumsarchiv im Ausleihbuch auf einen Eintrag, dass das Gemälde am 2. August 1947 an das St.-Ursula-Gymnasium ausgeliehen wurde - und damit nicht als Kriegsverlust zu betrachten ist. Am 8. September 1950 wurde es zurückgegeben. Die letzte Spur führt vom 17. März bis 24. März 1958 in die Pädagogische Akademie in Aachen, die das Bild für eine Woche ausgeliehen hatte. Die 1946 gegründete Pädagogische Akademie war der Vorläufer der späteren Pädagogischen Hochschule. 
Die Mitarbeiter des Suermondt-Ludwig-Museums rätseln nun: Wo mag sich de Lairesses Bild heute befinden? Sie hoffen, dass sich möglicherweise Leser unserer Zeitung an den weiteren Verbleib des Gemäldes nach 1958 erinnern. Die Abbildung des Gemäldes auf dieser Seite ist übrigens die erste Publizierung überhaupt.
In Form einer Reproduktion wird das Bild vom 28. April bis zum 1. Juli im Aachener Ludwig Forum zu sehen sein: als Teil eines "Ursula-Projekts" der Kölner Künstlerin Ingrid Roschek. Sie präsentiert einen Ausstellung über die berühmte Heilige und Schutzpatronin Kölns. (eho)

 

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