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Projekte : Schattengalerie der Verlustgemälde ///
Phantom Gallery of the Lost Paintings
: Verlorene "Bilder des Monats" : Zeitungsartikel

 

 


Claude Monet



Das "Bild des Monats" war eine Serie, die zwischen September 2006 und Juni 2007 in der Aachener Zeitung erschien. Die Artikel schildern außergewöhn- liche Geschichten zu einzelnen Verlustgemäl- den oder geben Ein- blicke in die Probleme, die bei der Forschungs- arbeit auftauchen.

 

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Claude Monet "Tauwetter"


Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten    21.06.2007

Wo ist der Konsul von Botswana in Moskau geblieben?
Letzte Folge unserer Serie "Das Bild des Monats": Monets "Tauwetter" in Russland wieder aufgetaucht und doch verschollen...

Aachen. Um das Schlagwort "Beutekunst" rankt sich in Aachen eine sehr merkwürdige Geschichte. Sie verbindet einen so berühmten Namen wie Claude Monet mit einem höchst exotischen Diplomaten im fernen Russland... Die letzte Folge unserer Serie "Bild des Monats", die sich verschollenen Kunstwerken aus dem Aachener Suermondt-Ludwig-Museum widmet, gilt einem Ölgemälde von eben Claude Monet: "Tauwetter", 44 Zentimeter hoch, 55 Zentimeter breit.
1926 stiftet der Aachener Unternehmer Franz Monheim, Vater von Irene Ludwig, das Bild dem Museum. 1942 wird es wie die Mehrzahl der Werke des Hauses in der Albrechtsburg in Meißen ausgelagert und kehrt 1961 nicht wie das Gros der Bilder nach Aachen zurück. "Es ist in Meißen gestohlen worden", bringt Museums-Mitarbeiterin Christine Vogt die Erkenntnisse über den Verbleib des Monets unmissverständlich auf den Punkt. "Vielleicht von einem sowjetischen Soldaten." In den Vierzigern des vorigen Jahrhunderts gab es noch nicht den Impressionisten-Boom, wie er derzeit grassiert, wo Bilder Monets 20 Millionen Euro erzielen. "Eventuell passten die Farben des Bildes einfach zum Mobiliar des Wohnzimmers."
Mit einem seltsamen Brief von einem noch seltsameren Absender, den das Museum im Mai 2002 erreicht, beginnt die Geschichte des Monet-Bildes. Darin beschreibt ein "Honorarkonsul der Republik Botswana" in Moskau, M. Petrow, ein Bild von Monet, das er gesehen haben will und erwähnt dabei ein Metallschild, das sich auf dem Rahmen befunden haben soll. Aufschrift: "Stiftung Barthold Suermondt". "Das konnte nicht sein", sagt Christine Vogt. "Das Gemälde wurde eindeutig von Franz Monheim gestiftet." Petrow fragt in dem Brief nach weiteren Informationen über das Bild. Die Museumsmitarbeiterin schreibt zurück, dass in Aachen keine weiteren Informationen existieren.
Petrow bleibt hartnäckig und schickt im Januar 2003 einen weiteren Brief. Darin teilt er mit, dass er eine entsprechende Anfrage an das Museum d'Orsay gerichtet habe und beschwert sich darüber, dass sich in Paris niemand dafür interessiert habe.
Vier Monate später flattert wiederum ein Brief aus Moskau im Aachener Museum ein, diesmal abgesandt von Eugenia Georgiewskaja vom Puschkin-Museum: "Im Sommer des vorangegangenen Jahres wurde ein Bild mit dem Namen ‚Tauwetter‘ mit der Unterschrift ‚Claude Monet‘ unten rechts zur Expertise in unserem Museum vorgeführt", schreibt sie und nennt den Namen M. Petrow. Sie stellt zwei Fragen: ob das Bild in Aachen als echtes Monet-Werk gegolten habe und welche weiteren Bilder zur Sammlung Monheim gehörten. Christine Vogt antwortet: "Nach meinem Wissen und den hiesigen Unterlagen ist das Bild nie wirklich erforscht worden, und so lässt sich auch keine gesicherte Aussage darüber machen, ob es tatsächlich von Monet stammt oder nicht." Vogt heute: "Bemerkenswert ist, dass aus dem Brief von Frau Georgiewskaja erstmals hervorgeht, dass sich das Bild im Besitz von Herrn Petrow befand." Diese Tatsache hatte der Konsul in seinen eigenen Darstellungen bislang stets zu verschleiern versucht.
Im Dezember 2004 gibt Petrow dann selbst in einem weiteren Schreiben an, er habe das Bild gekauft. Aber er weiß offenbar auch, dass das Aachener Museum immer noch berechtigterweise Anspruch auf den Monet erhebt; es ist im Art Loss Register eingetragen, einer international zugänglichen Liste verschollener oder geraubter Kunstwerke. Petrow bietet an, dem Museum das Bild zukommen zu lassen. Offensichtlich kann er es nirgendwo verkaufen. Gegen eine "Compensation" sei er dazu bereit. Museumsdirektor Peter van den Brink geht darauf ein und schlägt vor, sich zusammen mit Impressionsten-Experten mit Petrow in Moskau zu treffen. Per Brief, Fax und E-Mail sucht er mit ihm in Kontakt zu kommen - vergeblich. Post und E-Mail kommen zurück, Adresse unauffindbar. Petrow verschwindet, als die Verbindung nach Aachen konkret wird, einfach von der Bildfläche. Seither herrscht Funkstille. Christine Vogt: "Eines bleibt klar: Auf dem offiziellen Kunstmarkt ist das Bild absolut unverkäuflich."
Eine Hoffnung bleibt den Mitarbeitern des Suermondt-Ludwig-Museums: über die deutsche Botschaft in Moskau doch noch an diesen seltsamen Honorarkonsul der Republik Botswana in Moskau heranzukommen...(eho)

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