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Projekte : Schattengalerie der Verlustgemälde ///
Phantom Gallery of the Lost Paintings
: Verlorene "Bilder des Monats" : Zeitungsartikel

 

 


Abraham Bloemaert



Das "Bild des Monats" war eine Serie, die zwischen September 2006 und Juni 2007 in der Aachener Zeitung erschien. Die Artikel schildern außergewöhn- liche Geschichten zu einzelnen Verlustgemäl- den oder geben Ein- blicke in die Probleme, die bei der Forschungs- arbeit auftauchen.

 

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Abraham Bloemaert "Verkündigung an die Hirten"


Aachener Zeitung   30.01.2007

Eigentümliches Geheimnis von fünf ähnlichen Gemälden
Verlorenes Werk des Utrechter Malers Abraham Bloemaert gleich mehrfach wieder aufgetaucht.

Von Anna Koopstra

Aachen. Das Bild dieses Monats - Teil unserer Serie, die anlässlich der Erarbeitung eines Verlustkatalogs für die Gemälde des Suermondt-Ludwig-Museums erscheint - illustriert einerseits einige der Probleme, mit denen man bei der Erforschung eines verschwundenen Werkes konfrontiert wird, andererseits verdeutlicht es, warum es wichtig ist, die verlorenen Bestände zu veröffentlichen. 
Diesmal geht es um ein Gemälde von dem Utrechter Maler Abraham Bloemaert (1564-1651), das die Verkündigung der Geburt Christi an die Hirten darstellt. Bloemaert war ein wichtiger Künstler; 1611 gehörte er zu den Mitbegründern der Utrechter Lukas-Gilde. Er hatte eine große Werkstatt, zahlreiche Schüler und zudem großen Einfluss auf verschiedene Utrechter Künstler. 
"Die Verkündigung an die Hirten" des Suermondt-Ludwig-Museums wird in die Zeit um 1600 datiert. Das Gemälde ist auf Leinwand gemalt, und misst 78 x 109 Zentimeter. 1909 wurde es für das damalige Suermondt Museum erworben aus der Sammlung Ignaz Fey. 

In der Albrechtsburg

Wie viele andere Aachener Bilder wurde das Gemälde während des 2. Weltkriegs ausgelagert in die Meißener Albrechtsburg, von wo es nicht mehr zurückgekehrt ist. Man geht davon aus, dass die meisten Werke, von denen es keine Spur mehr gibt, von den Sowjet-Truppen mitgenommen worden sind. Doch einzelne Stücke könnten auch auf den Kunstmarkt gelangt sein. So befand sich das Gemälde Bloemaerts möglicherweise nach dem Krieg kurzfristig in einer Privatsammlung in Rotterdam. Ob es sich dabei tatsächlich um das Aachener Gemälde handelte, muss noch weiter recherchiert werden.
Die Schwierigkeit ist, dass es mehrere Versionen des fehlenden Gemäldes gibt, die sich alle sehr ähneln. Abgesehen von der Aachener Fassung sind bisher vier andere Versionen bekannt. Das erste wurde in 1978 durch das Warschauer Nationalmuseum von einem Antiquariat in Warschau angekauft. Auffälligerweise publizierte die polnische Kunsthistorikerin Grzybkowska 1980 das Bild erstmals als identisch mit dem Aachener Bloemaert-Gemälde. Dieser Einschätzung widersprach kurz darauf der renommierte polnische Kunsthistoriker Jan Bialostocki. Mittlerweile wurde festgestellt, dass es um eine etwas schwächere Kopie aus dem 17. Jahrhundert geht, die zudem in einigen Punkten von dem Aachener Gemälde abweicht. Die anderen drei Gemälde sind erst in den letzten Jahren aufgetaucht: eines 2003 auf einer Versteigerung in Amsterdam, eines 2004 auf einer Versteigerung in Amsterdam und eines 2004 auf einer Versteigerung in London (letzteres wurde bereits im Oktober 2006 in Wien erneut versteigert). 
Diese vier Gemälde entstanden um die gleiche Zeit. Einige Stücke haben genau dieselben Maße, einige weichen ein paar Zentimeter davon ab. Um festzustellen, ob eines der drei Werke (das Warschauer eindeutig nicht) das Aachener Verlustbild ist, muss man sie alle zumindest anhand von hochwertigen Abbildungen miteinander vergleichen. Ein großes Handicap dabei ist natürlich, dass von dem Aachener Gemälde nur eine alte Schwarzweiß-Aufnahme existiert. Idealerweise sollte man die vier aufgetauchten Gemälde anhand der Originale miteinander vergleichen. Die Variationen in der Komposition aber kann man zumindest teilweise auch anhand von Fotos ausmachen, etwa kleine Abweichungen in Details oder Überschneidungen von Figuren und anderer Teile.  Bei dieser Arbeit muss man allerdings immer mit in Betracht ziehen, dass sich der Zustand der Gemälde im Lauf der Zeit verändern kann, sei es durch unsachgemäße Lagerung oder auch durch Restaurierungen.
In dem hier beschriebenen Fall führte ein detaillierter Fotovergleich zu der Ansicht, dass keines der vier seit 1978 aufgetauchten Gemälde identisch mit dem Aachener Verlustbild ist, das somit nach wie vor als verschwunden gilt. 
Das Oeuvre Bloemaerts ist wissenschaftlich ziemlich gut bearbeitet; 1993 erschien ein umfassendes Werkverzeichnis, das auch das Aachener Gemälde anführt. In der Folge wurden dem Suermondt-Ludwig-Museum zwei der vier genannten Versionen gemeldet, mit der Bitte zu klären, ob es das vermisste Aachener Stück sei. Das macht deutlich, wie wichtig es ist, die Verluste zu veröffentlichen. 
(Die Autorin ist Mitarbeiterin des Suermondt-Ludwig-Museums.)

 

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