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Das Haus

 

Baugeschichte

Fassadenansicht Suermondt-Ludwig-Museum

Dem Wunsche des damaligen Bauherrn entsprechend schuf der Architekt Eduard Linse eine Villa nach dem Vorbild venezianischer Adelspaläste mit einer dreigeschossigen, reich dekorierten Fassade im Stil der Neo-Renaissance. Über einem Rustika-Erdgeschoss erhebt sich die "Belle étage" mit Balkon und ionischen Doppelsäulen, es folgt das zweite Geschoss mit korinthischer Säulengliederung, Puttenfries und abschließender Balustrade. In den Fensterzwickeln erscheinen allegorische Figuren mit Attributen aus Kunst und Handwerk. Neben Anregungen aus Italien sind auch Einflüsse aus der Kölner Ringstraßen-Architektur nachzuweisen, vor allem in der Grundrissgestaltung, welche eine seitliche Kutscheneinfahrt und eine räumliche Erschließung durch eine zentrale, durchgehende Halle mit seitlichem Treppenlauf zeigt.

Die wieder aufgedeckten, nicht rekonstruierten, sondern nur konservierten Wandmalereien und die alten Deckengestaltungen sind in Einfahrt und Treppenhaus, bzw. in einigen Räumen des Erd- und Obergeschosses noch erhalten. Schwere mächtige Kassettendecken in den Salons wechseln mit zarten Wanddekorationen im Stile pompejanischer Malerei, die Medaillons mit mythologischen Szenen enthalten. Im Treppengewölbe erscheinen die Allegorien der Malerei und der Baukunst mit dem Hausgrundriss; in der jetzigen Bibliothek sieht man Bilder von Pflanzen, Tieren und Himmelsillusionen, die den Bewohnern zusammen mit dem ehemaligen Wintergarten und dem rückseitigen Park ein Stück Natur in die Stadtvilla bringen sollten. Mit der neuen Wertschätzung der historistischen Innenausstattung, die im Zuge früherer puristischer Museumskonzepte viel von ihrem originalen Bestand eingebüßt hatte, verbindet sich im heutigen Museumsbesuch wieder eine Tendenz zum sinnlichen Erlebnis, um das Bauwerk und das geschichtliche Umfeld ebenso wie die gesammelten Kunstwerke als einen gemeinsamen Erfahrungsschatz zu begreifen.

Fassade Suermondt-Ludwig-Museum mit Anbau (c) Stadt Aachen / Peter Hinschläger

Anbau und Modernisierung

Nach verschiedenen Wettbewerben und Neubauplanungen kam es zu der Entscheidung, auf dem Nachbargrundstück einen großzügigen Anbau zu errichten und den Altbau zu modernisieren (Arch. Busmann & Haberer, 1992-94). Der Neubau enthält neben den musealen Servicebereichen, Vortragssaal, Kupferstichkabinett und dem Museumscafé, auch einen neuen großen Wechselausstellungsraum und eine für Besucher öffentliche Terrasse. Mit seiner gläsernen Hülle gibt der Anbau einen wirkungsvollen Kontrast zur steinernen Fülle des Altbaus, öffnet sich dem Betrachter und lässt im Obergeschoss oder in der Ausstellungshalle reizvolle Ausblicke auf die historistische Architektur zu. Die auf einer Stahlsäule aufgebaute, ausschwingende Konstruktion der Fassade setzt in der strengen Axialität der Straßenflucht ein neues räumliches Merkzeichen. Im Altbau gibt der Kernbereich der ehemaligen Villa Cassalette nach der jüngsten Renovierung und Freilegung der noch erhaltenen Wandmalereien einen guten Einblick in das Gesamtkonzept eines Stadtpalais des späten 19. Jahrhunderts (s.o.).

 

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