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Wundern und Staunen


Wundern und Staunen
Die neue „Bürgerliche Kunstkammer“ im Suermondt-Ludwig-Museum

Dauerhaft zugänglich

Adolphe Brodbeck tätig um 1770 in Dieppe, Elfenbein, Perlmutt, blaues Bristolglas, Messingfäden, 1770/1780, Dm ca. 6 cm, Foto: Anne Gold
Mikroschnitzerei Hafenszene, Adolphe Brodbeck tätig um 1770 in Dieppe, Elfenbein, Perlmutt, blaues Bristolglas, Messingfäden, 1770/1780, Dm ca. 6 cm, Foto: Anne Gold

Chinesische Glückskugeln, ein Schneckenhaus aus der Südsee, verflixt komplizierte Türschlösser und der kostbare Lobkowitzsche Kaiserpokal – es ist schon eine höchst erstaunliche Sammlung, die Aachens Bürger seit dem späten 19. Jahrhundert zusammengetragen haben. Sogar ein schmiedeeiserner spätgotischer Hundemaulkorb ist darunter.

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht: Diese wunderliche Zusammenstellung hat System. Viele Sammler des 19. Jahrhunderts wollten die Welt in ihrer Gesamtheit abbilden und sammelten daher Objekte aus allen Bereichen. Fundstücke aus der Natur standen gleichberechtigt neben artifiziellen Kunststücken, Fossilien neben griechischen Vasen, Originale neben Kopien. Auf Vollständigkeit kam es ihnen an, nicht unbedingt auf Authentizität. Deshalb liegt auch eine Kopie der goldenen Maske des Agamemnon aus dem Schliemann-Schatz in einem Regal im Keller des Suermondt-Ludwig-Museums, ein Depot, das wie eine begehbare Enzyklopädie ist. Höchste Zeit, dass die interessantesten Kellerschätze gehoben werden und die Geschichte des Suermondt-Ludwig-Museums als Hort bürgerlicher Sammlungen in Aachen gewürdigt wird. Bald ist es so weit: Am 7. Dezember wird die neue „Bürgerliche Kunstkammer“ eröffnet, die von da an ständig der Öffentlichkeit zugänglich sein wird – als Ausdruck der besonderen Geschichte und Identität des Suermondt-Ludwig-Museums.

©Stadt Aachen, Andreas Herrmann
Die neue „Bürgerliche Kunstkammer“ im Suermondt-Ludwig-Museum hat jetzt einen ausgestopften Hai – zu sehen ab dem 7. Dezember! © Stadt Aachen/Andreas Herrmann

Ein Hai hängt von der Decke, das muss so sein
Michael Rief, Kustos der städtischen Sammlungen, ist seit Monaten damit beschäftigt, im ersten Stock des Suermondt-Ludwig-Museums eine „Bürgerliche Kunstkammer“ einzurichten. Vorbild sind die Kunst- und Wunderkammern von Herrschern, Fürsten und Gelehrten der Renaissance und der Barockzeit, in denen kostbare Kunstwerke (Artificialia), seltene Naturalien (Naturalia), wissenschaftliche Instrumente (Scientifica), Objekte aus fremden Ländern (Exotica) und wundersame Dinge (Mirabilia) präsentiert wurden. Sie waren eine Demonstration der Macht und des Reichtums des Besitzers und spiegelten den aktuellen Wissensstand über die Welt und die Ordnung der Dinge wider – als Weltausstellung en miniature. Obligatorisch waren das präparierte Krokodil und der ausgestopfte Hai, die von der Decke hingen. In Aachens „Bürgerlicher Wunderkammer“ wird es auch je ein Exemplar geben. Dafür hat Micheal Rief gesorgt.
 
Ausdruck bürgerschaftlichen Engagements
Als 1877 alles begann, mit der Gründung eines Museumsvereins, war Aachen ein mondäner Kurort, an dem sich der Hochadel und Großindustrielle tummelten. So auch der Utrechter Bankier und Entrepreneur Barthold Suermondt, der dem Verein 104 hochkarätige Gemälde stiftete. Sie bildeten den Grundstock der städtischen Sammlung, die im Laufe der Zeit vor allem durch weitere Stiftungen aus der

Bürgerschaft anwuchs. Etliche hoch bedeutende Werke stammen aus der großzügigen Schenkung der Aachener Schokoladenfabrikanten Irene und Peter Ludwig im Jahr 1977, durch die auch der kunsthandwerkliche Sammlungsbereich auf das internationale Niveau gehoben wurde, auf dem Skulptur und Malerei seit jeher standen. Heute umfasst die städtische Sammlung etwa 2500 Gemälde, 700 Skulpturen, 10.000 grafische Blätter und Fotografien und mehrere Tausend Objekte des Kunsthandwerks – eine Fülle, die das Suermondt-Ludwig-Museum zu einem der größten kommunalen Museen Deutschlands macht.

Das Haus Cassalette als kongeniale Hülle
Die Sammlung ist untergebracht in einem Haus, das trotz behutsamer baulicher Erweiterungen – zuletzt 1992-1994 –, eine kongeniale Hülle darstellt: Seit 1901 ist das Suermondt-Ludwig-Museum als Stammsitz der städtischen Sammlungen im Haus Cassalette an der Wilhelmstraße zu Hause, einem Palais im Stil der venezianischen Spätrenaissance mit einer prächtigen Kutscheneinfahrt, einem repräsentativen Treppenhaus, aufwendigen Wandmalereien und Stuckaturen.



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