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Ausstellungen

 

 

Blicke, die bleiben


Blicke, die bleiben
Fotografische Porträts aus der Sammlung Fricke

21. Oktober 2017
bis 14. Januar 2018

Flyer zur Ausstellung (PDF)
Begleitprogramm zur Ausstellung (PDF)

Lebeck, Robert, Romy Schneider, Berlin 1976, © Cordula Lebeck
Robert Lebeck (1929 – 2014): Romy Schneider, Berlin 1976, © Cordula Lebeck

Seit der Erfindung der Fotografie im 19. Jahrhundert ist das Porträt eines ihrer großen Themen.

„Jeder hat seine Aufgabe. Meine ist: Menschen festzuhalten, bevor sie verloren gehen. Die Fotografie: lebenslange Erinnerungsarbeit“ – so beschreibt etwa der berühmte Fotograf Stefan Moses seine Arbeit.

Mit rund 100 eindrucksvollen, vorwiegend Schwarzweiß-Fotografien bietet die Ausstellung eine spannende Zeitreise durch die Entwicklung der Porträtfotografie von 1898 bis 2017. Aufnahmen von unbekannten Individuen treten in den Dialog mit berühmten Gesichtern.

Wurde zunächst der Malerei alleine die Fähigkeit zugesprochen, die verschiedenen Facetten eines Menschen im Bild zusammenzuführen, hat die Fotografie die Malerei auf diesem Feld rasch beerbt.

Zwar suchten die Fotografen im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert ihre künstlerische Legitimation noch in „malerisch“ anmutenden Aufnahmen zur Verschleierung des technischen Vorgangs, doch erkannten andere wie Edward Curtis oder José Ortiz Echagüe die enormen Chancen des neuen Mediums und hielten in umfangreichen Fotoserien das kulturelle Erbe ihrer Länder fest. Ihre Aufnahmen, die zu den frühesten der Ausstellung gehören, berühren durch ihre ästhetische Kraft wie auch den eindringlich dokumentarischen Charakter. In Deutschland schuf August Sander mit dem konzeptuellen Anspruch einer repräsentativen Gesellschaftsdarstellung seine epochemachende Porträtserie vom Menschen in ihrem Arbeits- und Lebensumfeld.

Die fotografische Avantgarde der 1920er und 30er Jahre setzte dann neue ästhetische und konzeptuelle Maßstäbe. Den Arbeiten Lotte Jacobis widmet die Ausstellung ein vergleichsweise umfangreiches Kapitel. Ihr gelingen zunächst in Berlin und später in den USA meisterliche Porträts, die individuelle Momente durch eine mitunter ungewöhnliche Bildsprache hervorheben. Jacobis Aufnahme von Albert Einstein in der Lederjacke (1938) wurde vom Magazin LIFE für die Veröffentlichung mit der Begründung abgelehnt, die unkonventionelle Darstellung sei für den berühmten Physiker und Nobelpreisträger nicht angemessen. Heute zählt sie zu den bekanntesten Bildern von Einstein. Auch bei ihren Schauspielerporträts folgte Jacobi Prinzipien, die später Susan Sonntag auf den Punkt brachte: „Der richtige Augenblick zur Betätigung des Auslösers ist gekommen, wenn man ein Objekt auf eine neue Weise sieht“. Mit seinen außergewöhnlich inszenierten Bildniszyklen markiert später auch Stefan Moses einen Wendepunkt in der klassischen Porträtfotografie.

Robert Lebecks eindringliche Porträts von Romy Schneider entstanden im Auftrag großer Magazine. Dennoch sind sie weniger dem schnelllebigen Fotojournalismus verpflichtet als vielmehr Ausdruck des Vertrauens und der gegenseitigen Wertschätzung zwischen dem Fotografen und der Schauspielerin.

Die Ausstellung zeigt aber auch, dass die Idealisierung des Modells und der Anspruch gesellschaftlicher Repräsentation als Darstellungsform der Porträtfotografie weiterhin bestehen bleiben.

Und vom Bestreben der Porträtierten, dem Betrachter etwas über sich mitzuteilen, zeugen jene Aufnahmen, die im öffentlichen Raum den einzelnen Menschen als Typus mit all seinen Eigenschaften zwischen skurril und charismatisch zeigen. In diesem Sinne besitzen auch so unterschiedliche Arbeiten wie die von Bettina Flitner und Wilhelm Schürmann einen gemeinsamen Nenner. Auch wenn im fotografischen Porträt das Individuum im Fokus steht, ist es stets auch Ausdruck kollektiver und kultureller Momente, im Sinne der bei Novalis entliehenen Feststellung: „Jeder Mensch ist eine kleine Gesellschaft“.

Die ausgestellten Arbeiten sind eine Dauerleihgabe der Sammlung Fricke im Suermondt-Ludwig-Museum.

Katalogbuch
Zur Ausstellung ist die Publikation „Blicke, die bleiben – Fotografische Porträts aus der Sammlung Fricke“, Aachen 2017, erschienen. Preis: 24 Euro.
Bestellung unter Telefon +49 241 47980-30, Fax +49 241-37075 und info@suermondt-ludwig-museum.de

Ausstellungskuratorin: Sylvia Böhmer

Flyer zur Ausstellung (PDF)
Begleitprogramm zur Ausstellung (PDF) 
Schulprogramm (PDF)

Weichert, Ulrich, Der Schauspieler Sylvester Groth, Berlin, 2017
Ulrich Weichert (*1949): Der Schauspieler Sylvester Groth, Berlin 2017, © Ulrich Weichert

Gibson, Ralph, o.T., 1981
Ralph Gibson (*1939): Ohne Titel, 1981, © Ralph Gibson

Sander, August, Martha Dix und Tochter Nelly, Köln 1925_26
August Sander (1876 – 1964): Martha Dix und Tochter Nelly, Köln 1925/26, © Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur - August Sander Archiv; VG Bild-Kunst, Bonn, 2017

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