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Ausstellungen : Archiv : Archiv 2011

 

 

Ungeliebte Kinder: Meisterwerke des Bilddrucks

14.07. - 16.10.2011
Ungeliebte Kinder:
Kleine Meisterwerke des Bilddrucks

SLM_Relief nach Ligozzi_350
Papiermaché-Relief, 17. Jahrhundert - Foto: Anne Gold, Aachen

In Aachen werden mittelalterliche und neuzeitliche Vertreter der Kunstgattung Bilddruck im Rahmen einer Doppelausstellung im Suermondt-Ludwig-Museum und im Haus Löwenstein präsentiert. Erstmals werden alle Bereiche des Bilddrucks vorgestellt. Dieser war neben dem Buchdruck und der Druckgraphik das dritte Massenmedium an der Schwelle zur Neuzeit. Das Suermondt-Ludwig-Museum zeigt neben den eigenen Beständen Leihgaben aus verschiedenen Rheinischen Sammlungen. Gleichzeitig werden im Haus Löwenstein neu gefundene Bilddrucke aus einer aktuellen Grabung in Aachen gezeigt.
Als Bilderbäcker oder Bilderdrucker wurden im 14. bis 16. Jahrhundert solche Künstler und Kunsthandwerker bezeichnet, die vornehmlich Reliefs und Figuren mittels Modeln (Hohlformen) herstellten. Durch die serielle Anfertigung von Figuren war es ab dem 14. Jahrhundert erstmals seit der Antike auch breiteren Gesellschaftsschichten möglich, künstlerisch hochwertige Bildwerke zu erwerben.

Pfeifentonfiguren, Model und Reliefs

Das Aachener Suermondt-Ludwig-Museum zeigt neben rheinischen und niederländischen Pfeifentonfiguren gedruckte und farbig gefasste Reliefs aus Stuck und aus Cartapesta (Papiermaché) sowie Model für die Herstellung von Figuren und von festlichem Backwerk.Darunter befindet sich ein sogenannter Kuchelstein aus der Spätrenaissance, von dem Feinbackwerk mit wahlweise biblischen und profanen Motiven gedruckt werden konnte.
Die Vorlagen zu diesen Werken stammen zum Teil von namhaften Künstlern wie dem Italiener Benedetto da Maiano (1442-1497), aus dessen Werkstatt womöglich die Madonna stammt, die sich heute im Suermondt-Ludwig-Museum befindet. Eine nur fragmentarisch erhaltene Pfeifentonfigur ist wahrscheinlich dem unmittelbaren Umfeld von Nicolaus Gerhaert zuzuordnen.
Die Urheber anderer Arbeiten sind zwar nicht namentlich bekannt, aber allein die Anzahl der Kopien, die mehr oder minder frei nach der Anbetung des Christuskindes aus einer zeitgleich zu Robert Campin arbeitenden Tournayer Werkstatt angefertigt wurden, zeigt deren einstige Berühmtheit. Auch einige Figuren der im mittleren 15. Jahrhundert aktiven Wormser Bilderbäckerei wurden in der Folgezeit so oft abgeformt, dass ihr Repertoire geradezu typisch für den Rheinischen Stil wurde.

Aachener Bilderbäcker

Interessanterweise war Aachen bis in das 16. Jahrhundert hinein nicht nur die Krönungsstadt für die deutschen Könige, sondern auch einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Diese Situation begünstigte die Entstehung und den Handel mit religiöser Kleinplastik.
Im Museum werden annähernd zwanzig Fragmente von Pfeifentonfiguren und ein glasiertes Relieffragment aus der Produktion eines in der Aachener Aureliusstraße/Franzstraße ansässigen Töpfers gezeigt. Er arbeitete sowohl nach Vorbildern aus Mittel- oder Ostdeutschland als auch nach Kölner und Wormser Figuren.
Wie andere Funde zeigen, muss in der Franzstraße mit der Existenz weiterer Bilderbäcker gerechnet werden. Die entdeckten Fragmente stammen wohl aus verschiedenen Werkstätten, von denen eine großformatige Tonfiguren herstellte, wie sie für Kirchenausstattungen gebraucht wurden.
Welch bedeutende Ergebnisse reguläre Ausgrabungen erbringen können, zeigen die Funde der Aachener Stadtarchäologie aus einem Areal neben der Kirche St. Michael. Hier wurde unter anderem eine kleine Abwurfgrube einer weiteren Aachener Bilderbäckerei gefunden. Die dort hergestellten Reliefs sind stilistisch der niederländischen Kunst zuzurechnen und in das zweite Viertel des 15. Jahrhunderts zu datieren. Bemerkenswert ist, dass für die Inschriften bereits bewegliche Lettern verwendet wurden.

Eine Auswahl dieser Grabungsfunde wird zeitgleich zur Ausstellung im Suermondt-Ludwig-Museum im Haus Löwenstein, Markt 39-41, gegenüber dem Rathaus, gezeigt.

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