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Ausstellungen : Archiv : Archiv 2011

 

 

Rembrandt gespiegelt

PRESSEINFOS UND FOTOS

12.11.11 - 05.02.12
Rembrandt - gespiegelt
Meisterwerke der Radierung

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Abbildung 1: Rembrandt Selbstporträt, an eine Balustrade gelehnt 1639 Radierung und Kaltnadel, Zustand II und gespiegelte Reproduktion, Museum Het Rembrandthuis, Amsterdam

Rembrandt Harmensz Van Rijn (1606-1669) verkörpert wie kein Zweiter das Goldene Zeitalter der niederländischen Kunst. Sein Gespür für die Dramaturgie des Lichts setzte er nicht nur in den Gemälden, sondern auch in der Druckgrafik um. In den beinahe 300 hinterlassenen Radierungen zeigt sich seine thematische Bandbreite. Neben religiösen und mythologischen Szenen, Selbstbildnissen und Porträts – worauf er sich als Maler weitgehend konzentrierte – schuf er in seiner Grafik auch Landschaften und Figurenstudien von Bauern und Bettlern. Er brachte seine Bilderfindungen selbst auf die Radierplatte.

So gelang es ihm, seinen lockeren Zeichenstil auch in der Druckgrafik beizubehalten. Ein Vergleich verschiedener Druckgänge lässt immer wieder neue und teils drastische Überarbeitungen erkennen. Das Radieren war für Rembrandt eine intensive und spontane Arbeit, durchaus von gleichem Rang wie seine malerischer Tätigkeit: er war in jeder Hinsicht ein Peintre-graveur (Maler-Radierer).

Die Ausstellung im Suermondt-Ludwig-Museum zeigt die Entwürfe des Meisters in ihrer ursprünglichen Form, so wie er sie bei der Arbeit vor Augen hatte. Denn man darf nicht vergessen, dass das gedruckte Werk stets die gespiegelte Wiedergabe der ursprünglichen Komposition auf der Kupferplatte ist. Nicht selten verändert sich dadurch die Wirkung entscheidend. Auch wenn sich jeder Grafiker dessen bewusst ist, so bleibt die Frage, wie weit dies im Einzelfall berücksichtigt wird. Beim Großteil der sogenannten Reproduktionsgrafik, also der drucktechnischen Vervielfältigung etwa von Gemälden, finden sich Seitenverkehrungen, und das selbst dann, wenn dieser Prozess, wie im Falle Rubens’, von den Schöpfern der umzusetzenden Werke genau überwacht wurde. Technische Möglichkeiten für seitenrichtige Reproduktionen hatte man durchaus, wie etwa Marcantonio Raimondis frühere Stiche nach Raffael zeigen.

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Abbildung  2: Das Schneckenhaus (‚Conus Marmoreus’) 1650 Radierung, Kaltnadel und Grabstichel, Zustand II und gespiegelte Reproduktion, Museum Het Rembrandthuis, Amsterdam

Rembrandts Radierungen beruhen allerdings nur in Ausnahmen auf seinen Gemälden. Meist sind es eigenständige Erfindungen, die bisweilen nach Vorstudien, doch immer wieder auch frei auf der Radierplatte entstanden. In den Abzügen sind zuweilen ‚Fehler’ auszumachen, so etwa wenn in einer Ansicht Amsterdams die Abfolge der Gebäude von West nach Ost vertauscht wird oder ein exotisches Schneckenhaus sozusagen wider die Naturgesetze, also gegen den Uhrzeigersinn gewachsen erscheint (Abb. 2). Besonders augenfällig wird der Effekt, wenn man eine ganze Komposition mit ihrem gespiegelten Gegenstück vergleicht. So wirkt die Bewegung Christi der Vertreibung der Geldwechsler aus dem Tempel (Abb. 3) im Originalentwurf dynamischer als in der gedruckten Radierung. Begründet liegen solche Unterschiede in unseren Sehgewohnheiten, denn wir neigen etwa dazu, auch Bilder von links nach rechts zu ‚lesen’, dem, was links zu sehen ist, größere Bedeutung beizumessen, oder eine Bewegung nach links als rückwärts und eine nach rechts als vorwärts gerichtet zu deuten.

Die Ausstellung präsentiert eine Auswahl von 54 Radierungen Rembrandts aus unterschiedlichen Themenbereichen und stellt sie den gespiegelten fotografischen Reproduktionen gegenüber. Einige originale Kupferplatten vermitteln einen zusätzlichen Eindruck vom Entstehungsprozess. Die Ausstellung ist als eine Schule des Sehens zu verstehen, die den Besucher dazu auffordert, die Meisterwerke mit frischem Blick zu erkunden und dem Grafiker Rembrandt neu zu begegnen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit zwei einführenden Texten sowie kurz kommentierten Abbildungen aller Radierungen und ihrer Spiegelungen, der zugleich als Ausstellungsführer dient. In einem kurzen Ausstellungsfilm demonstriert Yvonne Strang vom Amsterdamer Museum Het Rembrandthuis die Technik der Radierung, und Ernst van den Wetering, der Leiter des Rembrandt Research Project, gibt eine Einführung zum Thema der Spiegelung bei Rembrandt. Für jugendliche wie erwachsene Besucher bietet das Suermondt-Ludwig-Museum ein Begleitprogramm mit öffentlichen und privaten Führungen an.

"Rembrandt gespiegelt" wurde ähnlich bereits in den Jahren 2009/2010 mit großem Erfolg im Museum Het Rembrandthuis gezeigt, das eine Reihe der schönsten Rembrandt-Radierungen sein Eigen nennen darf. Bereits bei den Ausstellungen "Holland in Linien" (2008) und "Jacob Backer" (2009) war das renommierte Amsterdamer Museum Partner des Suermondt-Ludwig-Museums.

Katalog zur Ausstellung

Zur Ausstellung erscheint im Thouet-Verlag ein 80-seitiger Katalog. In ihm sind die Abbildungen aller Radierungen und ihrer Spiegelungen kurz kommentiert. Überdies enthält er zwei einführende Texte von Dr. Heinrich Becker vom Suermondt-Ludwig-Museum und von Dr. Ernst van de Wetering, Leiter des Rembrandt Research Project. Katalog-Bestellungen sind möglich unter der Rufnummer 0241-4798030 oder per Fax 0241-37075.

 

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Abbildung 3: Christus vertreibt die Geldwechsler aus dem Tempel 1635 Radierung und Kaltnadel, Zustand I und gespiegelte Reproduktion, Museum Het Rembrandthuis, Amsterdam

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